Gestern Morgen hatte ich vor dem Verlassen des Hauses noch etwas Zeit. Eigentlich wollte ich im Videotext Nachrichten lesen, blieb dann aber bei einem Beitrag über die Wahlen vor dreißig Jahren hängen - eine Elefantenrunde mit den klanghaften Namen Schmidt, Genscher, Kohl und Strauß. Es war köstlich! Schon damals ging man nicht gerade fein miteinander um, fast schien es, als sei die Diskussion um einiges ruppiger als heutzutage. Aber damals hatten Politiker auch noch Ecken und Kanten im Vergleich zu den heutigen, profillosen Ulknudeln. Und das Beste: Mitten in der Diskussion zündete sich Schmidt eine Zigarette an - heute undenkbar im TV.
"Deine Wohnung ist cool!" meinte mein Sohn neulich mal wieder, als er ich besuchte. Sicher, wenn man den Charme einer Studentenbude toll findet, mag das stimmen. Aber auch wenn ich mich inzwischen an meine neue Umgebung gewöhnt hab - so richtig _meins_ ist es auch nicht. Die meisten Möbel hab ich so vom Vormieter übernommen, lediglich der Inhalt ist natürlich von mir. Aber es wirkt nach wie vor ein wenig fremd, genau wie die Wohngegend.
In letzter Zeit bin ich außerdem öfter bei E. Und da geht es mir ähnlich: Ich fühle mich ganz wohl, finde mich zurecht, bin gern da. Aber auch dort ist nichts von mir und ich bin doch irgendwie nur Gast. Meine neue Heimat habe ich noch nicht gefunden.
Da ist sie also wieder, die Jahreszeit, die schöne bunte Blätter malt und gleichzeitig viele Menschen depressiv macht. Gespürt hab ich sie schon mit ihrem kalten Hauch heute Morgen, kurz vor 5 Uhr, als ich das Haus verließ ...
Schon wieder ist eine Erinnerung aus Kindertagen gestorben - Mister XY. Auch wenn dank Mauer natürlich (!) das Verbrechen nie bis zu uns gelangen konnte: die Sendung war in meinen Kindertagen Pflichtprogramm. Wunderbar spröde und verstaubt, aber trotzdem wartete man gespannt, wenn Ede in "eines der Aufnahmestudios" umschalten ließ.
Nun ist er im Himmel und kann sich mit Kulenkampf, Rosenthal und Carrell über alte Zeiten unterhalten ...
Durch einen Artikel wurde ich gestern darauf aufmerksam, und eben habe ich es selbst ausprobiert: Auf der neuen Suchmaschine B.ing kann man über "maps" für alle möglichen Orte nicht nur die übliche Luftaufnahme, sondern auch die Vogelperspektive aus 100m Entfernung aufrufen und damit quasi direkt in sein eigenes Fenster schauen. Schon irgendwie eine tolle Sache, aber andererseits auch erschreckend ...
Der Vorbesitzer des Häuschens, in dem nun E. wohnt, hat im Schuppen eine kleine Sauna eingebaut. Als die Nachbarin, die etwa in unserem Alter sein dürfte, davon erfuhr, fragte sie, ob sie die denn auch mal mitbenutzen dürfe. Darauf meinte E., dass dies kein Problem sei, sie aber damit rechnen müsste, dort dann auch auf einen nac.kten Mann (also mich) zu treffen. Darauf entgegnete die Nachbarin, dass das nicht schlimm sei, schließlich sei sie im Osten aufgewachsen und daran gewöhnt.
Gibt es diese Ost-West-Unterschiede im Schamgefühl bzw. dem Umgang mit Nac.ktheit wirklich oder ist das nur eines von vielen Vorurteilen?
Im laufenden Semester kommen Verabredungen bei mir meist zu kurz, da die Abende hauptsächlich fürs Lernen reserviert sind. Daher nutze ich die Semesterferien dann entsprechend intensiv, um mal wieder raus zu kommen. Aber nach sieben abendlichen Verabredungen hintereinander reicht es jetzt für eine Weile und ich freue ich mich schon darauf, morgen Abend vor dem neu gebauten Kaminofen bei E. mit einem Glas Wein zu sitzen und einfach nur den Flammen zuzusehen ...
Gerade eben habe ich mich erst gefreut, dass die Klausuren vorbei sind und der Sommer kommen kann. Nun habe ich gestern schon wieder einen Haufen Geld fürs neue Semester überwiesen und in einer Woche muss ich anfangen zu lernen.
Wo ist denn nur der Sommer geblieben? Wurmloch? Raum-Zeit-Krümmung? Kalender gefälscht?
Es war mein erste Mal. Bisher war ich stets in Konzerten, bei denen man brav auf Stühlen saß und den Künstlern lauschte. Gestern nun war ich erstmalig in einem Club - und da ist bekanntlich Stehen angesagt. Ich war skeptisch, schließlich zeichnete sich ab, dass man mindestens zwei Stunden würde stehen müssen. Das Gute ist nur, dass die Eintrittspreise in solchen Clubs viel niedriger sind als bei Konzerten in großen Hallen mit Bestuhlung ...
Ganz so schlimm wurde es dann nicht. Ich war eine gute halbe Stunde vorher da, der Saal war noch leer und ich fand am hinteren Ende eine Art Stufe, auf der ich mich hinsetzen konnte. Und als das Konzert begann, stellte ich mich an die Wand des Raumes. Da es mir mehr auf die Musik ankam als darauf, der Sängerin in die Augen zu schauen, störte mich der Abstand bis zur Bühne kaum. Die gut 90 Minuten des Konzertes habe ich so ganz gut überstanden, aber gemütlich ist was Anderes. Rücken und Füße hatten danach wirklich keine Lust mehr und ich war froh, in der Bahn nach Hause sitzen zu können.
Zunächst war ich etwas erschrocken - der Veranstaltungsort war eine Ruine. Der Schutt war beseitigt worden, ein Dach drauf und neue Fenster drin. Ansonsten besteht die Kirche derzeit nur aus den Grundmauern. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber im Licht der Scheinwerfer und bei vollem "Saal" hatte das Ambiente schließlich durchaus seinen Reiz. So wurde es ein tolles Konzert mit Chor und Orchester, und das nach immerhin nur einem einzigen Tag Probe! Auch E., die mich zum ersten Mal auf der Bühne erlebt hat, war begeistert.
Und auch wenn aus meiner Altersklasse niemand bei diesem Projekt dabei war, konnte ich auf der anschließenden Feier noch mit ein paar bekannten Gesichtern bei Wein und Pizza plaudern. Zwei Angebote für tolle Chöre habe ich nebenbei auch bekommen. Aber ich habe abgelehnt, denn neben Studium und Ausbildung auf Arbeit schaffe ich es momentan nicht, auch noch regelmäßig zu Proben zu gehen. Aber beim nächsten Projekt bin ich sicher wieder dabei.
Wenn man nach rund 24 Jahren wieder seine Schule betritt, ist das schon ein besonderes Gefühl. Eine Unmenge von Erinnerungen stürzen auf einen ein, fast fühlt man sich irgendwie zu Hause. Immerhin war ich zehn Jahre lang dort, und das sogar noch samstags (!). Nahezu im Schlaf findet man sich zurecht, staunt, was sich verändert hat und auch, was sich nicht verändert hat :-)
Und die erste Probe hat Spaß gemacht. Leider kenne ich nur sehr wenige Leute, die meisten sind entweder viel jünger oder erheblich älter als ich. Aber alle haben ausgebildete Stimmen, und das merkt man eben, auch wenn vielen inzwischen die Übung fehlt. Und so hatte ich dann auch schnell wieder eine Gänsehaut, als der Messias von Händel gesungen wurde.
Die zwei Stunden vergingen wie im Fluge, meine Stimme hielt. Heute nun geht die Probe doppelt so lange, dafür dann aber mit Orchester. Und morgen folgt das Konzert, mein erstes seit über 14 Jahren ...
Vor einiger Zeit hab ich hier schon mal berichtet, dass mein Viertel nicht gerade das Paradies ist. Momentan bestätigt sich das einmal, oder besser dreimal mehr: Innheralb einer Woche gab es jetzt drei Messerattacken, mit einem Toten und einem Schwerverletzten. Im ersten Fall hat ein Mann den Ex seiner Freundin erstochen, im zweiten Fall wurde ein Bürger, der Einbrecher auf frischer Tat (am hellichten Tag) ertappte, angegriffen, und gestern wurde einem Mann im Einkaufszentrum in den Hals gestochen, weil der seiner Freundin helfen wollte, die von einem Unbekannten angemacht wurde. Und das alles in einem Umkreis von 2 km um mein Wohnhaus.
So läuft das hier eben ...
Über zwanzig Jahre lang habe ich in verschiedenen Chören gesungen und damit auf den großen Bühnen der Stadt gestanden (kein Scherz). Mitte der Neunziger stellte sich dann aber doch Langeweile ein und ich habe beschlossen, das Hobby aufzugeben.
Vor ein paar Monaten nun habe ich eine Einladung zu einem kleinen Projekt von Ehemaligen bekommen. Das startet heute und endet am Samstag mit einem kleinen Konzert in einer Kirche. Ein bisschen skeptisch bin ich, ob meine Stimme überhaupt noch fit ist, um stundenlang zu singen, aber ich bin gespannt, wen ich dort treffen werde und ob es mir wieder Spaß machen wird nach der langen Pause. Zum Konzert am Samstag wird dann auch E. kommen, die mich "so" zum ersten Mal sehen wird.
Wie rechts unten auch sichtbar, rückt der Termin näher, an dem ich hier den Hut nehme und nach fast sieben Jahre diese Abteilung verlasse. Es sind noch 31 Arbeitstage, und da bin ich froh, dass nachher ein neuer Mitarbeiter kommt, der zumindest vorübergehend meine Aufgaben mit wahrnehmen wird, sodass ich dann in aller Ruhe nächsten Monat alles übergeben kann. Der "Herr" dürfte rund zwanzig Jahre jünger sein als ich, hat gerade ausgelernt und ist hoffentlich fit. Ich bin gespannt ...
Nach fast einem halben Jahr: DSL ist da! Bescheidene 384 kbit, aber der Mensch freut sich. Damit hoffe ich, dass dieses Kapitel nun endlich abgeschlossen ist. Ein besonderer Dank an .... (weiß schon, wer gemeint ist *g*)